Die Osteopathie am Pferd
 
Grundlagen der Osteopathie:
 
Andrew Taylor Still (1828 - 1917) war der Begründer der Human-Osteopathie. Er kam am 06. August 1828 in Virginia als Sohn eines methodistischen Wanderprediger und autodidaktischem Landarztes und einer Arzttochter zur Welt.
Dies dürfte Still's ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein geprägt haben, denn im Methodismus spielt gerade der verantwortungsvolle Umgang mit der Schöpfung während des Erdenlebens eine zentrale Rolle für die Vervollkommung nach dem Tod.
Still begleitete schon früh seinen Vater und man vermutet, dass dort sein Interesse am Menschen geweckt wurde.

Er begann die Anatomie und die Verhaltensweise von Tieren genaustens zu studieren. Mit dem Erwachsensein erweiterte er auch sein Forschungsgebiet auf den Menschen. 

Mit seinem außergewöhnlichen praktischen Geschik und getrieben von seinem Wissensdurst experimentierte der junge Still mit allem, was seinen Weg kreutzte. Nur das was sich als erfolgreich, praktikabel und wirksam erwies, verfolgte er weiter. Vor allem die Evolutionstherorie, die im 19. Jahrh. das Weltbild revolutionierte, wirkte elektrisierend auf ihn. Hier findet auch ein Grundprinzip der Osteopathie seinen Ursprung:

             "Funktion und Struktur sind in untrennbarer Wechselwirkung miteinander verflochten"
 
Als er 1874 mit einem befreundeten Arzt durch die Straßen spazierte, bemerkte er eine armlich gekleidete Frau mit ihrem Kind, das lediglich ein langes Leinenhemd trug und eine feine Blutspur hinterließ. Bei der Untersuchung stellte er fest, dass dessen Bauch ganz kalt und sein Rücken hingegen sehr heiß war. Er behandelte den Rücken des Kindes mit einigen manuellen Griffen und erzielte damit nach einigen Tagen eine wesentliche Besserung  im Gesundheitszustand des kleinen Patienten. Das Grundprinzip der Osteopathie war geboren:

"Über die Knochen (gr. osteon) kam es zu einer Beeinflussung der inneren Leiden (pathos).     >Osteopathie<
 
Da die moderne Osteopathie inzwischen ihren Einflussbereich über den Ansatz an den Knochen hinaus erheblich erweitert hat, kann man heute sagen:

"Die Beeinflussung eines Systems bewirkt eine
Änderung in einem anderen System
innerhalb des menschlichen Organismus"
 
Somit kann man festhalten, das in welchem Bereich auch immer im Körper - Knochen, Muskeln, Bänder oder Sehnen sich nicht frei bewegen können - wird es zu Dysfunktionen kommen.
 
Die Osteopathie versucht alle Gewebe zu normalisieren, die auf den Knochen eine mechanische oder neurovegetative Auswirkung haben.
 
Leitsätze von Still:
"Die Struktur bestimmt die Funktion"
"Das Gesetz der Arterie ist vorherrschend"
"Der Natur bis zum Ende vertrauen"
("Der Natur bis ans Ende vertrauen!" Gedanken zur osteopathischen Philosophie / Andrew Taylor Still)
 
Der französische Tierarzt Dr. Dominique Giniaux und der belgische Phyisiotherapeut und Humanosteopath Pascal Evrard (2003) gelten als Pioniere in Bezug auf die Anwendung osteopathischer Techniken beim Pferd.

Die Osteopathie gehört zu der manuellen Therapie. Durch die Anamnese, Palpation und der Testungen erkennt der Osteopath Bewegungstörungen. Diese Bewegungsstörungen oder auch Blockaden genannt, werden durch sanfte Mobilisationen, Massagen gelöst. Gerade Fascien spielen eine äußerst große Rolle. Sie verbinden sämtliche Strukturen, so dass eine Störung auch in einem Bereich Auswirkungen haben kann, welcher weit entfernte Strukturen betrifft. ZB. kann so eine auffällige Lahmheit durchaus durch  eine Läsion (Störung/Blockade) in der Brustwirbelsäule ausgelöst worden sein.